Wo sind sie jetzt? - Claudia Ortiz Arraiza

von Claudia Ortiz Arraiza

Die Entscheidung, meine Heimat Puerto Rico zu verlassen und meine Tanzausbildung in München fortzusetzen, würde ich als Glücksfall bezeichnen. Man sagt, Glück ist, harte Arbeit und eine günstige Gelegenheit zusammentreffen. Ich war Teil der ersten Gruppe junger Tänzer, die 2010 bei der Gründung des Bayerischen Junior Ballett München (ehemals Bayerisches Staatsballett II / Junior Company) Mitglieder waren. Wenn das kein Glück für eine junge Tänzerin war, was dann?

Konstanze Vernon, unsere Direktorin, sorgte dafür, dass wir die bestmögliche Ausbildung erhielten und in einem unglaublich breitgefächertem Repertoire von streng klassischen Werken, aber auch weltbekannten neoklassischen bis zu zeitgenössischen Werken aufstrebender Choreografen auftreten konnten. Ich sammelte sehr viel  Bühnenerfahrung, entwickelte meine Arbeitsmoral und vertiefte Beziehungen zu anderen Kreativen, denn mir bot sich ein sicherer Raum, um mit verschiedenen Stilen zu experimentieren. Die Arbeit an Kreationen mit Choreo­grafen war für mich immer die reizvollste und künstlerisch lohnendste Arbeit. Die junge Company war der Ort, an dem ich alle meine tänzerischen Ausdrucksmöglichkeiten entdecken.

Nach der Junior Company arbeitete ich unter der Leitung von Ivan Liška im Bayerischen Staatsballett und im Wiesbadener Hessischen Staatsballett unter der Leitung von Tim Plegge, wobei mein Interesse, mit verschiedenen Choreografen zusammenzuarbeiten, immer der gemeinsame Nenner war.

Derzeit arbeite ich als freiberufliche Tänzerin in Berlin und bin Mitglied des Ballet of Difference von Richard Siegal. Außerdem habe ich in diesem Jahr mit dem Donlon Dance Collective von Marguerite Donlon und der Gruppe Dancekraft von Marina Miguélez zusammengearbeitet. Die Möglichkeiten und Verbindungen, die ich während meiner zwei Jahre beim Bayerischen Junior Ballett München geknüpft habe, waren für meine künstlerische Entwicklung von entscheidender Bedeutung und haben mir sehr geholfen, durch das scheinbar komplizierte Netz der Tanzwelt zu navigieren.

Die Arbeit beim Junior Ballett hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Erfahrungen in einer kreativen, sich gegenseitig befruchtenden Gemeinschaft sammeln zu können. Wir waren eine  Gruppe talentierter junger Tänzer aus der ganzen Welt, die aufgrund ihres gemeinsamen Interesses zusammengekommen waren. Und mit einigen, die echte Freunde geworden sind, arbeite ich auch heute noch zusammen. Ein Glücksfall!